PDF Aloud und PDF Reader im Vergleich

27 Oktober 2020 | Ted Page

Welche Read&Write Gold-Version sollten Sie verwenden?

Um ein möglichst großes Vertrauen in die Barrierefreiheit eines PDF-Dokuments zu erhalten, sollten Sie neben der Verwendung eines automatischen Prüfwerkzeugs für die Barrierefreiheit und Vergleichstests hinsichtlich dieser Standards idealerweise mindestens zwei Hilfstechnologien testen. Eine dieser Hilfstechnologien sollte ein Screenreader (JAWS oder NVDA) sein. Die andere ist PDF Aloud, ein Plug-in für Acrobat Pro/Acrobat Reader, das in die weitverbreitete Lesesoftware Read&Write Gold, Version 11, integriert ist.

PDF Aloud
PDF Aloud

Warum PDF Aloud wichtig ist

PDF Aloud überprüft auf einfache Weise vier Merkmale, die ein Screenreader nicht erkennt. Es ist richtig, dass eine manuelle Überprüfung jedes dieser vier Merkmale mithilfe des Content-Panel in Acrobat Pro möglich ist. Allerdings geht dies weder schnell noch einfach (ganz im Gegenteil …).

1. Überprüfung der Leserichtung des PDF-Umflusses

PDF Aloud erleichtert die Leserichtung bei einem PDF-Umfluss. Nicht alle Hilfstechnologien übernehmen die Leserichtung von PDF-Tags. Einige wie Read&Write Gold und vBookz PDF Voice Reader for iOS übernehmen sie von der Leserichtung des Umflusses (oder Inhalt).

2. Überprüfung der Leserichtung von Artefakten

PDF Aloud überprüft außerdem die Leserichtung von Artefakten wie Seitennummern oder fortlaufenden Fuß- und Kopfzeilen. Es ist wichtig, dass die Leserichtung solcher Inhalte korrekt ist. Dies wird oft von Menschen übersehen, die nur Screenreader testen, die solche Inhalte nicht lesen.

3. Überprüfung von ausgeblendeten Inhalten

PDF Aloud liest außerdem Seitenzahlen, Fußnoten und andere Inhalte, die hinter Bildern oder Hintergründen versteckt sind oder außerhalb des Bildschirms in der Zwischenablage von InDesign zurückgelassen wurden. Grafikdesigner gehen oft davon aus, dass diese Inhalte nicht lesbar sind, weil sie nicht sichtbar sind. Dies ist jedoch nicht der Fall.

4. Verschachtelte Bereiche im Content-Panel

Zu guter Letzt erkennt PDF Aloud nicht barrierefreie Inhaltsblöcke. Auch wenn es selten ist, können sich Inhalte im Content-Panel von Acrobat in einem Bereich befinden, der in einem anderen Bereich verschachtelt ist. Solche Inhalte werden von PDF Aloud ignoriert und müssen repariert werden.

Worin liegt also das Problem?

Wie oben erwähnt, ist die Lesesoftware Read&Write Gold in PDF Aloud integriert, aber nur bis Version 11. Die aktuelle Version ist Version 12.

Ab Version 12 wurde PDF Aloud von den Herstellern von Read&Write Gold zugunsten des Screenreaders PDF Reader nicht mehr berücksichtigt. Leider gibt es Probleme mit dem PDF Reader, von denen manche schwerwiegend sind.

PDF Reader
PDF Reader

Aus der Sicht eines Prüfers

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass viele Prüfer der Barrierefreiheit von PDFs die Zeit haben, auf jedes einzelne Wort aller Dokumente zu hören. In PDF Aloud ist dies kein Problem. Um die Leserichtung von Umflüssen in PDFs schnell zu testen, kann in PDF Aloud die Schaltfläche „Schneller Vorlauf“ verwendet werden, um von einem Inhaltsblock zum nächsten zu springen.

Im PDF Reader existiert jedoch kein schneller Vorlauf. Um die Leserichtung einschließlich aller Textstellen in Tabellen, Diagrammen oder Infografiken zu testen (was wichtig ist), muss jedes einzelne Wort des gesamten Dokuments abgehört werden. In den meisten Fällen macht dies den PDF Reader als Test-Tool unbrauchbar.

Aus der Sicht des Endnutzers

Keine Möglichkeit, Formulare auszufüllen

Ein großer Teil junger Menschen, die an landesweiten Examen in Großbritannien teilnehmen und auf Hilfstechnologien angewiesen sind, nutzen Read&Write Gold, und die meisten barrierefreien Klausuren verwenden PDF-Formulare. Mit dem PDF Reader können jedoch keine Felder in Formularen ausgefüllt werden. Dies ist ganz offensichtlich ein Ausschlusskriterium.

Im Gegensatz dazu gibt es keine Probleme beim Ausfüllen von Formularen mit PDF Aloud in Verbindung mit Acrobat Pro oder Acrobat Reader.

Keine Unterstützung von JavaScript

Ein weiteres Problem des PDF Reader ist die fehlende Unterstützung von JavaScript. Es gibt unzählige Beispiele für die Verwendung von JavaScript, um die Barrierefreiheit von PDF-Formularen zu verbessern: von der Validierung bis hin zur Hervorhebung von Feldern, wenn die Aufmerksamkeit auf diese gelenkt werden soll. All diese Verbesserungen gehen für Benutzer des PDF Reader verloren.

Stark eingeschränkte Navigationsfreundlichkeit

Im PDF Reader:

  • Gibt es keinen Zugriff auf PDF-Lesezeichen
  • Gibt es keine Möglichkeit, mit dem Tab zum nächsten Link zu gelangen
  • Gibt es keine Möglichkeit, zurückzugehen, wenn mithilfe der Maus ein Link angeklickt wurde (in Acrobat Alt + linke Pfeiltaste)
  • Gibt es keine Möglichkeit, nach Seitenzahl zu navigieren (Strg + Shift + n in Acrobat)
  • Es gibt keinen Tastaturbefehl für weiter/zurück (Strg + Bild-Auf/Bild-Ab in Acrobat)

Und so weiter … All dies führt zu einer deutlich geringeren Navigationsfreundlichkeit als mit PDF Aloud und Acrobat.

Gleichzeitiges Öffnen von maximal zwei PDFs

Mit dem PDF Reader können gleichzeitig maximal zwei Dokument geöffnet werden, was möglicherweise jedoch ein kleineres Problem darstellt. Es kommt relativ selten vor, aber manche Klausuren sind auf drei separate Dokumente verteilt: ein Dokument mit Fragen, eines für Antworten und ein Quelldokument. Mit Acrobat können selbstverständlich beliebig viele PDFs geöffnet werden.

Fazit

Der PDF Reader tritt in dieselbe Falle wie andere PDF-Lesesoftware wie etwa PDF Browser Plug-ins (alle!) und Apples Preview. Sie alle unterstützen die Barrierefreiheit nicht annähernd so gut wie Acrobat Pro oder Acrobat Reader und stellen Endnutzern viele wichtige Funktionen nicht zur Verfügung.

Glücklicherweise lässt sich Version 11 von Read&Write Gold noch immer herunterladen. Bis der PDF Reader eine vergleichbare Barrierefreiheit bietet wie Acrobat, müssen die Hersteller von Read&Write Gold sicherstellen, dass PDF Aloud verfügbar bleibt.

Der weitere Zugriff auf PDF Aloud ist für Endnutzer und Fachleute für barrierefreie PDF-Dokumente gleichermaßen wichtig.